Frau Fricke wundert sich, ob gar nichts manchmal zu viel ist

Ich schaff nix. Und das macht mich wahnsinnig unzufrieden. Warum schaffen alle Leute so irre viel und nur ich bin ein Hänger? Die Antwort ist: Ich schaue auf die falsche Liste.

Achtung, mal hinschauen: Zwischen diesem Blog und dem letzten liegen 3 Monate! Drei! Hier sollten also eigentlich drei Blogeinträge stehen. Statt dessen: Gähnende Leere. Sowas alarmiert mich und ich frage mich sofort: Was mache ich eigentlich den ganzen Tag so? Und mir fällt überhaupt keine Antwort darauf ein. Meinem Empfinden nach mach ich nix. Ich lass mich hängen und das ist unentschuldbar.

Was zum Teufel hab ich eigentlich gemacht zwischen dem letzten Post und diesem hier? Da muss ich nachschauen.

Ah, na klar, die mündlichen Prüfungen im Juni. Aber das mit der Uni ist ja streng genommen nix. Also keine Arbeit. Denke ich jedenfalls. Und ich denke das, weil es mir Spaß macht und weil ich diesen Job als Hobby definiert habe. Tatsächlich habe ich 8 Stunden Vorlesung pro Woche. In Deutschland ist das das Pensum eines Vollzeit-Professors. Und ich habe über 60 Studenten, denen ich eine mündliche und eine schriftliche Prüfung abnehmen muss – nach englischem Prüfungsrecht. Das heißt: ich muss auch für jeden einen genauen Bewertungsbogen ausfüllen. Und damit habe ich den gesamten Juli verbracht. Und überhaupt zählt das ja doppelt nicht, denn ich hab ja in der Uni gekündigt, weil ich mich ja wieder um meinen richtigen Job kümmern will. Irgendwann ist ja mal Schluss mit lustig.

Aber erstmal hab ich ja diese Spezialisierung gemacht. Und das war so:

Egal, wo ich hinkomme, egal, mit wem ich über Digitalisierung rede, jeder legt das Köpfchen schief, lächelt sanft und denkt: „Och guck mal, wie niedlich!“ Dass die putzige dicke Frau ihnen gerade etwas erzählt, was sie nicht mal so richtig verstehen, ist Wurscht. Jeder weiß: Digitale Themen erfordern ein Y-Chromosom und ein Geburtsdatum, dass frühestens Mitte der 80er Jahre liegt. Ich hab keins von beidem, aber ich hab einen Computer und mit dem kann ich mich – höchst digital – zu einem zertifizierten Online-Aufbaustudium in einer der Top-Tech-Unis der USA anmelden. Und das tu ich auch.

Das Studium ist auf 6 Monate ausgelegt. Das dauert mir zu lange. Ich will ja in den Urlaub und das in zwei Monaten. Die müssen reichen.

Diese Spezialisierung stellt sich als höchst vergnüglich heraus. Und darum macht es mir nichts aus, jeden Tag 8 bis 10 Stunden zu lernen, zu lesen, zu diskutieren und eine Klausur zu schreiben. Nicht, dass ich da inhaltlich viel lernen würde. Das war mir aber klar. Ich will vor allem das Zertifikat. Und weil „digital“ eben auch „global“ bedeutet, lerne ich dann doch was und zwar von Mit-Studenten aus der ganzen Welt: Die Vorstellung, was eine hervorragende Arbeit ausmacht, oder wie man einander korrigiert, differiert ausgesprochen stark zwischen Peking, Poona und Paris. Ich find das super-interessant! Außerdem muss ich permanent mit dem Help-Desk chatten, weil ich schneller bin, als es das System erlaubt. Das hängt sich gelegentlich auf. Drastischer Response.

Ich werde 5 Tage vor meiner Abreise mit dem Studium fertig. Geht doch! Jetzt fehlt mir nur noch mein Abschluss-Projekt. Aber das kann ich erst Ende Oktober mit allen anderen anfangen. Egal. Das war lustig! Und deswegen keine Arbeit. Und deswegen eigentlich nix.

Nun gibt es ja Kritiker, die  behaupten, dass ich nicht einmal wüsste, wie man Urlaub macht. Das kann man so nicht sagen. Ich mag halt nur nicht am Strand rumliegen. Mach ich ja hier auch nicht. Wenn ich in den Urlaub fahre, dann tu ich was. Das zählt aber nicht, weil es ja Urlaub ist.

Im vorliegenden Fall wandere ich. Ich hab mir täglich so zwischen 20 und 30 Kilometer vorgenommen. Bis auf die erste Strecke. Weil ich noch am Start krank werde, beschränke ich mich auf 16 Kilometer. Das muss reichen. Nach 8 Tagen und 140km breche ich ab, weil ich permanent in den Seilen hänge. So macht das keinen Spaß. Und zählen tut es auch nicht, weil es erstens Urlaub war und ich zweitens ja nicht einmal angekommen bin, wo ich ankommen wollte. Ist also nix.

Und nun bin ich zu Hause und missvergnügt. Denn anstatt was zu tun, hänge ich hier doof rum. Ok, ich bin auch krank, aber da kann man ja wohl trotzdem mal was…

Vorsorglich hab ich schon mal eine Liste mit Dingen gemacht, die ich eigentlich schon längst hätte tun müssen. Meiner Ansicht nach. Nicht, dass da irgendwas wirklich dringlich wäre. Reicht aber, um knörig zu sein und mich für eine Lusche zu halten.

Und dann spreche ich neulich mit einem Freund, der auch so eine Liste hat und sich davon aktuell ganz schön überfordert fühlt. Dem sag ich, dass er alles aufschreiben soll, was vor ihm liegt und dann alles, was er schon gemacht hat, abstreichen, damit er sich an dem freuen kann, was er schon alles geschafft hat. Wir finden beide, dass das eine Super-Idee ist.

Ob ich auch so eine Geschafft-Liste habe?

Ich? Ich mach ja nix!

 

 

 

 

 

 

 

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